AKTIVE ARBEITSMARKTPOLITIK

Die aktive Arbeitsmarktpolitik umfasst die Maßnahmen zur Beeinflussung des Ausmaßes und der Struktur des Angebots und der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, die darauf abzielen, eine (Re-)Integration von Arbeitslosen in eine Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt  zu erreichen (vgl. Henneberger/Keller 2004: 171). Insbesondere sollen die Problemgruppen des Arbeitsmarktes – Geringqualifizierte, Langzeitarbeitslose, jüngere Arbeitslose, ältere Arbeitslose, Alleinerziehende, Schwerbehinderte – durch die aktive Arbeitsmarktpolitik gefördert werden.

 

Grundsätzlich lassen sich drei Zielsetzungen der aktiven Arbeitsmarktpolitik unterscheiden:

  1. Beratung und Vermittlung: Zum Kernbereich gehören die Beratungs- und Vermittlungsdienstleistungen, die auf einen Ausgleich von Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage abzielen und die Sucharbeitslosigkeit reduzieren sollen.
  2. Qualifizierung: Die Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen dienen der Verbesserung der Arbeitsangebotsstruktur. Mit ihrer Hilfe soll die qualifikatorische Mismatch-Arbeitslosigkeit reduziert werden. Die Arbeitsuchenden sollen bestenfalls die Fertigkeiten erlernen, die von den Unternehmen nachgefragt werden. Dadurch soll verhindert werden, dass einerseits Arbeitsstellen mit einem erhöhten Qualifikationsniveau unbesetzt bleiben und andererseits insbesondere geringqualifizierte Arbeitnehmer geringe Beschäftigungschancen haben.
  3. Nachfrageerhöhung: Zur dritten Kategorie zählen die Maßnahmen, die den gesamtwirtschaftlichen Umfang der Arbeitsnachfrage unmittelbar erhöhen. Darunter fallen beschäftigungsschaffende Maßnahmen und  Lohnkostenzuschüsse (vgl. Kröger/Suntum 1999: 9f.).

Mitnahme-, Substitutions- und Verdrängungseffekte am Arbeitsmarkt

Die aktive Arbeitsmarktpolitik soll auch einen Beitrag zur Schaffung zusätzlicher Arbeits- und Beschäftigungsverhältnisse leistet. Ob positive Nettobeschäftigungseffekte auf der makroökonomischen Ebene erreicht werden, hängt davon ab, in welchem Ausmaß sogenannte Mitnahme-, Substitutions- und Verdrängungseffekte auftreten:

  1. Der Mitnahmeeffekt besteht bei Unternehmen darin, dass diese zum Beispiel eine staatliche Subvention für die Beschäftigung eines Arbeitslosen erhalten, obwohl sie die gleiche Person auch ohne den Lohnkostenzuschuss eingestellt hätten. Aufseiten der Arbeitnehmer lassen sich Mitnahmeeffekte vermuten, wenn die Arbeitslosen an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik teilnehmen, die auch ohne diese eine neue Beschäftigung gefunden hätten.
  2. Der Substitutionseffekt bezeichnet die Möglichkeit, dass die Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer aufgrund einer Veränderung der relativen Arbeitskosten durch staatlich geförderte Arbeitslose austauschen, wodurch sich die Beschäftigtenzahl des Unternehmens nicht vergrößert.
  3. Ebenfalls könnten Verdrängungseffekte dazu führen, dass die aktiven Maßnahmen eine Reduktion der regulären Beschäftigung in anderen Unternehmen bewirken. So könnten Unternehmen mit einer subventionierten Beschäftigung ihren Marktanteil zulasten der Konkurrenz ausweiten, da sie aufgrund der niedrigeren Arbeitskosten ihre Produkte günstiger anbieten können (vgl. Hagen/Steiner 2000: 40-42).

Quellen:

Hagen, Tobias/Steiner, Viktor (2000): Von der Finanzierung der Arbeitslosigkeit zur Förderung von Arbeit,

ZEW Wirtschaftsanalysen, Baden-Baden.

Henneberger, Fred/Keller, Berndt (2004): Arbeitsmarktpolitik, in: Alisch, Katrin/Arentzen, Ute/Winter,

Eggert (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon, Band A – Be, Wiesbaden, S. 170 - 175.

Kröger, Martin/Suntum, Ulrich van (1999): Mit aktiver Arbeitsmarktpolitik aus der Beschäftigungsmisere.

Ansätze und Erfahrungen in Großbritannien, Dänemark, Schweden und Deutschland, Gütersloh.