ARBEITSLOSIGKEIT

Arten der Arbeitslosigkeit

Es gibt unterschiedliche Ursachen, die zur Arbeitslosigkeit führen. In der Regel wird zwischen der friktionellen, saisonalen, konjunkturellen und strukturellen Arbeitslosigkeit differenziert:

  1. Die friktionelle Arbeitslosigkeit bezeichnet die kurzweilige Sucharbeitslosigkeit, die durch einen Arbeitsplatzwechsel gegeben ist.
  2. Die saisonale Arbeitslosigkeit entsteht, wenn die Produktion und die Arbeitsnachfrage wie zum Beispiel im Baugewerbe stark von der Jahreszeit abhängig sind.
  3. Die konjunkturelle Arbeitslosigkeit liegt bei einer vorübergehenden Arbeitslosigkeit vor, die durch zyklische Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung verursacht wird und in Zeiten des konjunkturellen Rückgangs zu einem allgemeinen Nachfragemangel auf den Arbeitsmärkten führt.
  4. Schließlich entsteht die strukturelle Arbeitslosigkeit (oder Mismatch-Arbeitslosigkeit), wenn das Angebot und die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nicht zusammenfinden, weil sich die Struktur des Arbeitsangebots und der Arbeitsnachfrage dauerhaft auseinanderentwickeln. Maßgebliche Faktoren hierfür sind insbesondere der wirtschaftliche Strukturwandel, die nachhaltige Veränderung der Güternachfrage, der technische und technologische Fortschritt sowie die Globalisierung. Letztere führt zu einer internationalen Arbeitsteilung, bei der die Produktion arbeitsintensiver Produkte in Staaten mit einem niedrigeren Lohnniveau verlagert wird, während sich die Industriestaaten verstärkt auf die kapitalintensiven Produkte konzentrieren, die wiederum einen intensiveren Einsatz von qualifizierten Arbeitskräften erfordern (vgl. Alisch/Arentzen/Winter 2004: 168f.)

Konzept der Arbeitslosigkeit in der BA-Arbeitsmarktstatistik

Die Definition der Arbeitslosigkeit, die der Statistik der Bundesagentur für Arbeit zugrunde liegt, wird im § 16 SGB III bzw. § 53a SGB II erläutert:

 

Definition nach § 16 SGB III:

 

„(1) Arbeitslose sind Personen, die wie beim Anspruch auf Arbeitslosengeld

1. vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen,

2. eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung stehen und

3. sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben.

(2) An Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik Teilnehmende gelten als nicht arbeitslos.“

 

Definition nach § 53a SGB II:

 

„(1) Arbeitslose im Sinne dieses Gesetzes sind erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die die Voraussetzungen des § 16 des Dritten Buches in sinngemäßer Anwendung erfüllen.

(2) Erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die nach Vollendung des 58. Lebensjahres mindestens für die Dauer von zwölf Monaten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende bezogen haben, ohne dass ihnen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten worden ist, gelten nach Ablauf dieses Zeitraums für die

Dauer des jeweiligen Leistungsbezugs nicht als arbeitslos.“

Quelle: BA 2009: 10
Quelle: BA 2009: 10

Konzept der Langzeitarbeitslosigkeit

Nach § 18 SGB III gelten diejenigen Personen als langzeitarbeitslos, die seit mindestens einem Jahr arbeitslos sind:

 

„(1) Langzeitarbeitslose sind Arbeitslose, die ein Jahr und länger arbeitslos sind. Die Teilnahme an einer Maßnahme nach § 45 sowie Zeiten einer Erkrankung oder sonstiger Nicht-Erwerbstätigkeit bis zu sechs Wochen unterbrechen die Dauer der Arbeitslosigkeit nicht.

(2) Für Leistungen, die Langzeitarbeitslosigkeit voraussetzen, bleiben folgende Unterbrechungen der Arbeitslosigkeit innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren unberücksichtigt:

  1. Zeiten einer Maßnahme der aktiven Arbeitsförderung oder zur Eingliederung in Arbeit nach dem Zweiten Buch,
  2. Zeiten einer Krankheit, einer Pflegebedürftigkeit oder eines Beschäftigungsverbots nach dem Mutterschutzgesetz,
  3. Zeiten der Betreuung und Erziehung aufsichtsbedürftiger Kinder oder der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger,
  4. Beschäftigungen oder selbständige Tätigkeiten bis zu einer Dauer von insgesamt sechs Monaten,
  5. Zeiten, in denen eine Beschäftigung rechtlich nicht möglich war, und
  6. kurze Unterbrechungen der Arbeitslosigkeit ohne Nachweis.

(3) Ergibt sich der Sachverhalt einer unschädlichen Unterbrechung üblicherweise nicht aus den Unterlagen der Arbeitsvermittlung, so reicht Glaubhaftmachung aus“ (§ 18 SGB III).

 

Demnach werden in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit die Personen als langzeitarbeitslos ausgewiesen, die am jeweiligen Stichtag der Zählung ein Jahr oder länger bei den Agenturen für Arbeit oder den Jobcentern arbeitslos gemeldet (siehe § 16 SGB III) sind. Im Jahr 2011 waren im Jahresdurchschnitt 2.975.823 Personen arbeitslos. Davon waren 35,4 Prozent aller registrierten Arbeitslosen langzeitarbeitslos. Von den insgesamt 1.051.603 Langzeitarbeitslosen befanden sich 86,1 Prozent (905.816) in der Grundsicherung des Rechtskreises SGB II und 13,9 Prozent (145.788) in der Arbeitslosenversicherung des Rechtskreises SGB III. Bezogen auf die Bundesländer unterschieden sich gleichwohl die Anteile der Langzeitarbeitslosen an allen registrierten Arbeitslosen. Während der Anteil der Langzeitarbeitslosen im Jahr 2011 in Bayern 26,6 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern unterdurchschnittlich 27,7 Prozent betrug, lag er in Nordrhein-Westfalen auf einem überdurchschnittlichen Niveau von 42,3 Prozent und in Bremen bei 42,4 Prozent (vgl. BA 2012: 2.3.1.).

Konzept der Unterbeschäftigung

In den Arbeitsmarktstatistiken wird ergänzend zur Arbeitslosigkeit ebenso die weiter gefasste Unterbeschäftigung dargestellt. In dem Konzept der Unterbeschäftigung werden neben den registrierten Arbeitslosen auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne des SGB III bzw. SGB II gelten, weil sie Teilnehmer einer aktiven arbeitsmarktpolitischen Maßnahme sind oder in einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus sind. Mit dem Konzept der Unterbeschäftigung wird zweierlei geleistet:

  1. Es wird ein möglichst umfassendes Bild vom Defizit an regulärer Beschäftigung gegeben.
  2. Realwirtschaftliche, insbesondere konjunkturell bedingte Einflüsse auf den Arbeitsmarkt können besser identifiziert werden, da der Einsatz entlastender Arbeitsmarktpolitik zwar die Arbeitslosigkeit, nicht aber die Unterbeschäftigung verändert (vgl. BA 2009: 19).
Quelle: BA 2009: 23
Quelle: BA 2009: 23

Quellen:

Alisch, Katrin/Arentzen, Ute/Winter, Eggert (Hrsg.) (2004): Gabler Wirtschaftslexikon, Band A – Be, Wiesbaden.

BA (2009): Umfassende Arbeitsmarktstatistik: Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, Nürnberg.

[Internetquelle].

BA (2012): Arbeitsmarkt in Zahlen, Arbeitslose nach Rechtskreisen - Jahreszahlen -, Nürnberg.

Sozialgesetzbuch III – Arbeitsförderung [Internetquelle].

Sozialgesetzbuch II - Grundsicherung für Arbeitsuchende [Internetquelle].

Statistisches Bundesamt (2012): Arbeitslose, Arbeitslosenquoten, gemeldete Stellen, Kurzarbeiter,

kurzarbeitende Betriebe: Deutschland/Früheres Bundesgebiet/Neue Länder, Jahre, Wiesbaden.