BESCHÄFTIGUNGSFÄHIGKEIT

Unter der Beschäftigungsfähigkeit wird im Allgemeinen die Arbeitsmarktfähigkeit bzw. die Fähigkeit zur Partizipation am Arbeits- und Berufsleben verstanden. Dabei ergibt sich die individuelle Beschäftigungsfähigkeit aus den Anforderungen der Arbeitswelt einerseits und den persönlichen, fachlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen des Arbeitnehmers sowie dessen persönlicher Gesundheit und Arbeitsfähigkeit andererseits (vgl. BAUA 2012). Katrin Kraus definiert die Beschäftigungsfähigkeit bzw. die Employability als „die Gesamtheit individueller Fähigkeiten und Bereitschaften, die es den Einzelnen ermöglichen, Beschäftigungsverhältnisse einzugehen, sich wertschöpfend in Arbeitsprozesse einzubringen und über eine kontinuierliche reflexive und evaluierende Beobachtung des Verhältnisses von vorhandener und nachgefragter Arbeitskraft sowie eine darauf aufbauende Anpassung der eigenen Arbeitskraft in Beschäftigung zu bleiben“ (Kraus 2008: 11).

Eigene Darstellung
Eigene Darstellung

Die Beschäftigungsfähigkeit gewinnt angesichts der Entstandardisierung der Lebensläufe und der sich wandelnden Qualifikations- und Tätigkeitsanforderungen zunehmend an Bedeutung. Sie ist die Voraussetzung dafür, mit dem wirtschaftlichen Strukturwandel Schritt zu halten, ein eigenständiges Einkommen zu erzielen und somit Ansprüche an die sozialen Sicherungssysteme zu erwerben. Ebenso bildet die Beschäftigungsfähigkeit die Voraussetzung für eine Beschäftigungsstabilität im Sinne einer möglichst ununterbrochenen Tätigkeit bzw. für eine möglichst friktionsfreie Bewältigung des Strukturwandels (vgl. Keller/Seifert 2008: 9).

 

Das Konzept der Beschäftigungsfähigkeit bleibt im wissenschaftlichen wie im politischen Kontext meistens unpräzise. Gleichwohl orientiert sich der Begriff der Beschäftigungsfähigkeit vorwiegend an den Eigenschaften und Leistungen der einzelnen Arbeitnehmer. Dies impliziert eine Tendenz, die Verantwortung für das Gelingen oder das Scheitern der Arbeitsmarktintegration allein den Individuen zuzuschreiben (vgl. Kraus 2008: 3). Vielmehr sind neben den Arbeitnehmern ebenso die Unternehmen und der Staat für eine nachhaltige Arbeitsmarktpartizipation der Arbeitnehmer mitentscheidend: die Unternehmen, die in der betrieblichen Praxis auf Ansätze des lebenslangen Lernens, eine altersgerechte Arbeitsgestaltung sowie Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements setzen; und der Staat, der Rahmenbedingungen setzt und die Beschäftigungsfähigkeit aktiv fördern kann (vgl. BAUA 2012; Kraus 2008). Letztlich ist die Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmer für die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Unternehmen und der gesamten Volkswirtschaft von enormer Bedeutung.


Quellen:

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2012): Beschäftigungsfähigkeit, Dortmund. [Internetquelle]

Kraus, Katrin (2008): Beschäftigungsfähigkeit oder Maximierung von Beschäftigungsoptionen? Ein Beitrag

zur Diskussion um neue Leitlinien für Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik, Expertise im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn.

Keller, Bernd/Seifert, Hartmut (2008): Flexicurity: Ein europäisches Konzept und seine nationale

Umsetzung, Expertise für die Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn.