„Auf die Arbeit schimpft man nur solange, bis man keine mehr hat.“

Sinclair Lewis, US-amerikanischer Schriftsteller


ARBEITSMARKTPOLITIK

Formen der Arbeitsmarktpolitik

Die Arbeitsmarktpolitik bezeichnet die politische Regulierung der kompensatorischen Leistungen von Einkommensausfällen infolge von Arbeitslosigkeit sowie die Ausgestaltung von Maßnahmen, die zielgerichtet und nach sozialen Gruppen, Regionen und Branchen differenziert den Austausch von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt stimulieren sollen (vgl. Jochem 2008: 18).

 

Definitorisch wird zwischen der passiven und aktiven Arbeitsmarktpolitik unterschieden. Ebenso werden in der Wohlfahrtsstaats- und Arbeitsmarktforschung zwei Idealtypen der Arbeitsmarktpolitik gegenübergestellt: die klassische Arbeitsmarktpolitik (auch fürsorgende Arbeitsmarktpolitik) und die aktivierende Arbeitsmarktpolitik

Passive Arbeitsmarktpolitik

Die passive Arbeitsmarktpolitik umfasst die materielle Absicherung im Fall der Arbeitslosigkeit durch die Zahlung von staatlichen Transferleistungen (vgl. Pilz 2009: 172), um vor Armut und sozialer Ausgrenzung zu schützen. Die passive Arbeitsmarktpolitik umfasst(e) - in der Bundesrepublik Deutschland - insbesondere folgende Instrumente:

  • Arbeitslosengeld
  • Arbeitslosengeld II (ab 2005)
  • Arbeitslosenhilfe (bis 2004)
  • Sozialhilfe (bis 2004)

Aktive Arbeitmarktpolitik

Die aktive Arbeitsmarktpolitik umfasst die Maßnahmen zur Beeinflussung des Ausmaßes und der Struktur des Angebots und der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, die darauf abzielen, eine (Re-)Integration von Arbeitslosen in eine Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt zu erreichen (vgl. Henneberger/Keller 2004: 171). Insbesondere sollen die sogenannten „Problemgruppen“ des Arbeitsmarktes – Geringqualifizierte, Langzeitarbeitslose, jüngere Arbeitslose, ältere Arbeitslose, Alleinerziehende, Schwerbehinderte – durch die aktive Arbeitsmarktpolitik gefördert werden. Die aktive Arbeitsmarktpolitik umfasst folgende wesentliche Handlungsbereiche:

  • Arbeitsvermittlung und Arbeitsberatung
  • Qualifizierung
  • Beschäftigungsbegleitende Maßnahmen
  • Beschäftigungsschaffende Maßnahmen
  • Förderung der Selbstständigkeit

Beschäftigungsfähigkeit

Das ökonomische Ziel der Arbeitsmarktpolitik besteht vorrangig in der Herstellung und im Erhalt der individuellen Beschäftigungsfähigkeit des Arbeitslosen bzw. des Beschäftigtens. Unter der Beschäftigungsfähigkeit wird im Allgemeinen die Arbeitsmarktfähigkeit bzw. die Fähigkeit zur Partizipation am Arbeits- und Berufsleben verstanden. Dabei ergibt sich die individuelle Beschäftigungsfähigkeit aus den Anforderungen der Arbeitswelt einerseits und den persönlichen, fachlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen des Beschäftigtens sowie dessen persönlicher Gesundheit und Arbeitsfähigkeit andererseits (vgl. BAUA 2012).

 

Katrin Kraus definiert die Beschäftigungsfähigkeit bzw. die Employability als „die Gesamtheit individueller Fähigkeiten und Bereitschaften, die es den Einzelnen ermöglichen, Beschäftigungsverhältnisse einzugehen, sich wertschöpfend in Arbeitsprozesse einzubringen und über eine kontinuierliche reflexive und evaluierende Beobachtung des Verhältnisses von vorhandener und nachgefragter Arbeitskraft sowie eine darauf aufbauende Anpassung der eigenen Arbeitskraft in Beschäftigung zu bleiben“ (Kraus 2008: 11).

 

Die Beschäftigungsfähigkeit gewinnt angesichts der Entstandardisierung der Lebensläufe und der sich wandelnden Qualifikations- und Tätigkeitsanforderungen zunehmend an Bedeutung. Sie ist die Voraussetzung dafür, mit dem wirtschaftlichen Strukturwandel Schritt zu halten, ein eigenständiges Einkommen zu erzielen und somit Ansprüche an die sozialen Sicherungssysteme zu erwerben. Ebenso bildet die Beschäftigungsfähigkeit die Voraussetzung für eine Beschäftigungsstabilität im Sinne einer möglichst ununterbrochenen Tätigkeit bzw. für eine möglichst friktionsfreie Bewältigung des Strukturwandels (vgl. Keller/Seifert 2008: 9).

 

Das Konzept der Beschäftigungsfähigkeit bleibt im wissenschaftlichen wie im politischen Kontext meistens unpräzise. Gleichwohl orientiert sich der Begriff der Beschäftigungsfähigkeit vorwiegend an den Eigenschaften und Leistungen der einzelnen Beschäftigten. Dies impliziert eine Tendenz, die Verantwortung für das Gelingen oder das Scheitern der Arbeitsmarktintegration allein den Individuen zuzuschreiben (vgl. Kraus 2008: 3). Gleichwohl sind neben den Beschäftigten ebenso die Unternehmen und der Staat für eine nachhaltige Arbeitsmarktpartizipation der Beschäftigten mitentscheidend: die Unternehmen, die in der betrieblichen Praxis auf Ansätze des lebenslangen Lernens, eine altersgerechte Arbeitsgestaltung sowie Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements setzen; und der Staat, der Rahmenbedingungen setzt und die Beschäftigungsfähigkeit aktiv fördern kann (vgl. BAUA 2012; Kraus 2008).


Quellen:

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2012): Beschäftigungsfähigkeit, Dortmund. [Internetquelle]

Henneberger, Fred/Keller, Berndt (2004): Arbeitsmarktpolitik, in: Alisch, Katrin/Arentzen, Ute/Winter,

Eggert (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon, Band A – Be, Wiesbaden, S. 170 - 175.

Jochem, Sven (2008): Arbeitsmarktpolitik, in: Nohlen, Dieter/Grotz, Florian (Hrsg.): Kleines Lexikon der

Politik, Bonn, S. 18-20.

Kraus, Katrin (2008): Beschäftigungsfähigkeit oder Maximierung von Beschäftigungsoptionen? Ein Beitrag

zur Diskussion um neue Leitlinien für Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik, Expertise im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn.

Keller, Bernd/Seifert, Hartmut (2008): Flexicurity: Ein europäisches Konzept und seine nationale

Umsetzung, Expertise für die Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn.

Pilz, Frank (2009): Der Sozialstaat. Ausbau – Kontroversen – Umbau, Bonn.

Sozialgesetzbuch III – Arbeitsförderung [Internetquelle].

Sozialgesetzbuch II - Grundsicherung für Arbeitsuchende [Internetquelle].